Infos & News über die Mindelheimer Albanienhilfe

Über mich

"Meine Stärke und mein Lied ist der Herr,
er ist für mich zum Retter geworden." (Ex 15,2)

Mit der Missionsstation in Fushe-Arrez verbindet mich in erster Linie, dass Sr. Gratias Ruf meine Tante ist, und ich somit immer „aus erster Hand“ von der dortigen Missionsarbeit erfahren konnte (siehe eigener Bericht). Auf dieser Seite möchte ich mich jedoch kurz vorstellen, weil ich Zeugnis über meine Berufung zum Priester geben will - schließlich gehört der Beruf des katholischen Priesters in unserer heutigen Gesellschaft nicht zu den gewöhnlichen Berufszielen. Somit möchte ich ein Glaubenszeugnis geben, um dadurch vielleicht manches Vorurteil und manches Unverständnis aus dem Raum schaffen zu können. Als Jugendlicher war ich andauernd auf der Suche nach etwas Besonderem. Irgendwie konnte ich mir ein ganz gewöhnliches Leben für mich nicht vorstellen und war mit dem Normalen und Alltäglichen meist recht unzufrieden. Vor allem in der Kunst und Musik konnte ich mich verwirklichen, meine Sehnsüchte ausdrücken und aus dem Alltag ausbrechen. Berufswünsche hatte ich unzählige. Kein Beruf wollte mich aber so wirklich faszinieren – am liebsten hätte ich alle meine Hobbys und Interessen zum Beruf gemacht, um nur nichts zu verpassen. Als das Abitur näher rückte, entschied ich mich zum Medizinstudium, denn ich wollte auch unbedingt mit Menschen zu tun haben. Außerdem ist mein Vater Arzt - so lag das Medizinstudium für mich nahe. In Ulm begann ich dann mit dem Studium; mit zunehmender Semesteranzahl wurde ich allerdings immer unglücklicher und in mir wuchs die Gewissheit, dass Arzt nicht der richtige Beruf für mich ist. Dachte ich jedoch an Alternativen, war ich völlig überfordert von den vielen Wünschen und Vorstellungen, die ich hatte – es gab schlichtweg keinen Beruf, mit dem ich all dies vereinen konnte. Außerdem träumte ich davon, möglichst viel und vielleicht sogar beruflich Musik zu machen, doch nach vielen – für mich sehr bedeutenden – Auftritten kam irgendwie der „Kick“ abhanden. Es war zwar immer sehr schön zu musizieren, aber irgendwie wurde das Lampenfieber durch Gewohnheit abgelöst und so waren Konzerte nur noch ganz normal und schlichtweg nur alltäglich. Hin und wieder klopfte Gott an. Nicht nur in dieser Entscheidungsphase im Medizinstudium, sondern auch schon ganz leise zur Schulzeit. So leise, dass ich es kaum hören konnte – aber ich hörte es. Wollte es aber nicht hören. In meinem Herzen ahnte ich ganz sanft und leicht, dass ich Priester werden sollte – aber ich wehrte mich mit allen Kräften dagegen. Ich wollte heiraten und ich wollte mich selbstverwirklichen. Da konnte ich keinen Beruf gebrauchen, der von mir vollen Einsatz für Gott und den Nächsten fordern würde. Aber Gott klopfte an. Ganz leise. Viele junge Priester sprachen mich an, ob ich mir nicht vorstellen könnte, selbst Priester zu werden. Meist habe ich darauf nur mit sehr heftiger Ablehnung reagiert. Allerdings wurde mir auch klar, dass die schönsten Augenblicke meines Lebens Gotteserfahrungen waren. Irgendwie wurde mir bewusst, dass er meine Sehnsüchte am Besten stillen konnte und dass ich bei ihm die Geborgenheit fand, die ich anderswo vergebens suchte. Vom Eintritt ins Priesterseminar war ich allerdings noch weit entfernt. Als ich mich im Jahr 2006 dazu entschloss, das Medizinstudium abzubrechen, wusste ich anfangs nicht wirklich, womit es weitergehen sollte. Zu vielfältig waren meine Interessen. Dem Rat eines Bekannten folgend, entschied ich mich für Exerzitien und war fest davon überzeugt, die richtige Antwort für meinen Lebensweg finden zu können. Diese Woche in Stille und Gebet übertraf jedoch absolut meine Erwartungen. Ich war erstaunt, wie nah man Gott kommen kann und wunderte mich, über die deutlich wahrnehmbare Liebe Gottes. Dabei kam in den Exerzitien eigentlich kaum eine neue Erkenntnis für mich dazu. Alles war schon in mir angelegt, komme ich doch aus einer sehr religiösen Familie, in der regelmäßig gemeinsam gebetet wurde. Außerdem war ich es als aktiver Ministrant gewohnt, mehrmals pro Woche in die Hl. Messe zu gehen. Aber durch die Exerzitien wurde alles konkreter, greifbarer und nachvollziehbarer. Gott war da. Spürbar da. Unter diesem Eindruck war mir klar, dass ich es mit dem Priesterseminar wenigstens versuchen könnte. Außerdem überzeugte mich das Zeugnis eines Priesters, der von der Liebesbeziehung zwischen Gott und ihm erzählte. Ich begann also 2006 mit dem Theologiestudium und zog im Augsburger Priesterseminar ein. In der kommenden Zeit bemühte ich mich, mir Klarheit über meine Berufung zu schaffen und konnte eine große Freude in der Liebesbeziehung zu Jesus Christus erfahren. Beten wurde mir zu einem wichtigen Anker im alltäglichen Leben, besonders die Anbetung der wirklichen Gegenwart Jesu Christi in der heiligen Eucharistie. Außerdem wurde mir die Hl. Muttergottes durch das Rosenkranzgebet zu einer wichtigen Stütze im geistlichen Leben. Im Jahr 2008 durfte ich meine Studien schließlich im deutschen Kolleg in Rom fortsetzen. Natürlich ist mein Weg mit Christus nicht nur sanft und schön. Es ist schwierig, in der heutigen Zeit Priester zu sein, und das weiß ich auch. Es gibt Herausforderungen und Schwierigkeiten und auch Trockenheiten im Gebet. Aber ich möchte Gott und den Menschen dienen. Ich möchte mich von Gott dahin führen lassen, wo er mich braucht. Er soll mich als sein Werkzeug benutzen, damit er Menschen wieder zu sich führen kann, die ihm verbissen und verbittert das Herz verschlossen haben. Und ich will den Menschen zeigen, dass man ihm, Jesus Christus, wirklich begegnen kann, wenn man ihm nur sein Herz öffnet. Denn es lohnt sich nicht nur für diese Welt, sondern umso mehr auch für die kommende…

"Denn er läßt sich finden von denen, die ihn nicht versuchen, und zeigt sich denen,
die ihm nicht mißtrauen." (Weisheit 1,2)




Raphael Steber